Blogartikel von Prof. Dr. Bernhard Koye & Kevin Schneebeli
Eine Innovation schafft erst dann Wert, wenn aus einer entwickelten Lösung tatsächliche Wirkung für Kunden, Organisation und Wertschöpfung entsteht. Dafür müssen Innovationen in die Anwendung überführt und zugleich die Voraussetzungen für kontinuierliche Innovationsfähigkeit geschaffen werden. Dieser Beitrag zeigt, wie die Umsetzung und organisationale Verankerung von Innovation miteinander verbunden werden können.
1. Der Wert von Innovation entscheidet sich in der Umsetzung
Eine überzeugende Innovationsidee und ein validierter Lösungsansatz sind wichtige Voraussetzungen, aber noch kein Ergebnis. Erst wenn Innovationen in Produkte, Services, Prozesse oder Geschäftsmodelle überführt und im organisationalen Alltag wirksam werden, können sie einen nachhaltigen Beitrag zur Wertschöpfung leisten.
Das Zukunftsfähigkeitsmodell versteht Innovationsmanagement deshalb als ganzheitliche organisationale Kernkompetenz. Neben strategischer Ausrichtung, geeigneten Methoden und technologischen Möglichkeiten gehören dazu die kulturelle Verankerung von Innovation, die Befähigung von Mitarbeitenden sowie die Öffnung gegenüber externen Innovationspartnern.
Das Swiss NextGen Finance Institute (SNGFI) erforscht die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen sowie von Fach- und Führungskräften in der Finanzindustrie. Im Rahmen unserer Blogserie beleuchten wir Innovation als einen zentralen Hebel für organisationale Zukunftsfähigkeit.
Die ersten beiden Beiträge haben gezeigt, wo und wofür Organisationen innovieren sollten und wie aus Innovationspotenzialen strukturiert tragfähige Lösungen entwickelt werden können. Die nächste Herausforderung besteht darin, entwickelte Innovationen in tatsächliche Wertschöpfung zu überführen und zugleich dauerhafte Innovationsfähigkeit zu schaffen.
Die zentrale Frage lautet deshalb: Wie können Organisationen Innovationen wertschöpfend umsetzen und gleichzeitig die Voraussetzungen für dauerhafte Innovationsfähigkeit schaffen?
2. Drei zentrale Kompetenzfelder für wertschöpfende Innovationsumsetzung
1. Innovationen operationalisieren und skalieren
Die Validierung einer Innovation markiert nicht das Ende des Innovationsprozesses. Eine entwickelte Lösung muss so in Organisation und Markt überführt werden, dass daraus tatsächliche Wirkung entstehen kann.
Dafür müssen Innovationen in bestehende oder neu zu entwickelnde Wertschöpfungsstrukturen integriert werden können. Verantwortlichkeiten müssen geklärt sowie die erforderlichen Ressourcen und Fähigkeiten gezielt aufgebaut oder bereitgestellt werden. So kann aus einem validierten Ansatz eine wirksame und skalierbare Innovation entstehen. Gleichzeitig stellt sich die Frage der Skalierung. Organisationen müssen prüfen, welche Voraussetzungen für eine breitere Anwendung erforderlich sind und welche Anpassungen an der Lösung, an Prozessen, Ressourcen oder Organisationsstrukturen notwendig werden. Wertschöpfende Innovationsumsetzung bedeutet damit, den Übergang von der validierten Lösung zur wirksamen Anwendung und Skalierung bewusst zu gestalten.
2. Innovationskultur und Intrapreneurship entwickeln
Dauerhafte Innovationsfähigkeit erfordert neben geeigneten Prozessen und Strukturen auch entsprechende kulturelle und führungsbezogene Voraussetzungen.
Dazu gehören eine konstruktive Fehler- und Experimentierkultur sowie die Befähigung von Mitarbeitenden, eigene Ideen einzubringen und weiterzuentwickeln. Intrapreneurship schafft hierfür einen wichtigen organisationalen Rahmen.
Führung übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Sie schafft Orientierung, eröffnet geeignete Freiräume, überträgt Verantwortung und stellt notwendige Ressourcen bereit. Innovation wird dadurch nicht allein zur Aufgabe einzelner Innovationsbereiche, sondern zu einer organisationalen Fähigkeit.
3. Verantwortungsvolle Innovationsökosysteme und Kooperationen gestalten
Zukunftsrelevantes Wissen, technologische Fähigkeiten und Innovationskompetenzen müssen nicht vollständig innerhalb der eigenen Organisation verfügbar sein. Kooperationen mit Start-ups, Forschungseinrichtungen, Technologiepartnern oder anderen Akteuren können zusätzliche Kompetenzen und Perspektiven erschliessen. Open Innovation erweitert damit den Innovationsraum gezielt über die Grenzen der eigenen Organisation hinaus.
Entscheidend ist dabei, externe Partner und Impulse wirksam mit der eigenen Innovations- und Wertschöpfungslogik zu verzahnen. Externe Beiträge müssen innerhalb der Organisation anschlussfähig sein und die jeweiligen Verantwortlichkeiten klar geregelt werden. Gleichzeitig verlangt zukunftsfähige Innovation einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen Möglichkeiten. Compliance, Sicherheit und Nachhaltigkeit sollten deshalb von Beginn an in Innovationsentwicklung und Zusammenarbeit integriert werden.
3. Leitplanken für die Operationalisierung
a. Den Übergang von Entwicklung zu Wertschöpfung aktiv gestalten
Validierte Innovationen benötigen einen klaren Weg in die Anwendung. Verantwortlichkeiten sollten frühzeitig geklärt, erforderliche Ressourcen bereitgestellt und die organisationale Anschlussfähigkeit sichergestellt werden. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen für eine spätere Skalierung von Beginn an mitzudenken.
b. Innovationsfähigkeit in Führung und Kultur verankern
Kontinuierliche Innovation benötigt ein Umfeld, in dem Mitarbeitende Verantwortung übernehmen, neue Ansätze erproben und aus gewonnenen Erkenntnissen lernen können. Führung sollte dafür Orientierung und Freiräume verbinden und Intrapreneurship gezielt fördern.
c. Interne und externe Innovationskraft verantwortungsvoll verzahnen
Organisationen sollten bewusst entscheiden, welche Fähigkeiten intern aufgebaut und wo externe Partner einbezogen werden. Compliance, Sicherheit und Nachhaltigkeit bilden dabei integrale Anforderungen an eine verantwortungsvolle Innovationsentwicklung.
4. Fazit
Innovation wird erst dann wertschöpfend, wenn entwickelte Lösungen tatsächlich angewendet werden und Wirkung entfalten. Dafür müssen Organisationen Innovationen operationalisieren und skalieren können und zugleich die Voraussetzungen für kontinuierliche Innovationsfähigkeit schaffen. Zukunftsfähige Innovationsumsetzung verbindet deshalb Skalierung, organisationale Verankerung und verantwortungsvolle Kooperation. Ziel ist nicht nur die erfolgreiche Realisierung einzelner Innovationen, sondern der Aufbau einer Organisation, die Innovation wiederholt in Wertschöpfung überführen kann.
Damit schliesst sich die Logik der drei Innovationsdimensionen: Organisationen müssen entscheiden, wo und wofür sie innovieren. Sie müssen Innovationspotenziale strukturiert entwickeln und erproben. Schliesslich müssen sie Innovationen wirksam in Wertschöpfung überführen und dauerhaft in der Organisation verankern.
Für einen strategischen Dialog an den Potenzialen für Ihre Organisation freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.
Prof. Dr. Bernhard Koye
Academic Director am SNGFI. Pionier in der Erforschung der Auswirkungen der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle, Organisationen und Menschen in der Finanzbranche mit Fokus auf den Praxistransfer.
Langjährige internationale Erfahrung als Executive, Forscher und Coach in Strategie, Transformation und Innovation sowie in der Begleitung von Top-Management-Teams und Executive Development, u.a. bei einer Schweizer Grossbank und dem Swiss Finance Institute.
Verbindet wissenschaftliche Tiefe mit unternehmerischer Umsetzungskompetenz als Forscher, Coach und Sparringspartner für Entscheidungsträger.
Kevin Schneebeli
Leitung „NextGen Finance“. Unternehmer, Investor und praxisorientierter Forscher mit Fokus auf Business- und Finanzökosysteme, Strategie, Geschäftsmodelle und zukunftsfähige Wertschöpfung.
Erfahrung als Executive, Strategieberater und Business Developer in Banking, Wealth Management, FinTech, digitaler Transformation und Innovation sowie in Forschung und Executive Education.
Verbindet unternehmerische Umsetzungskompetenz mit strategischer Weitsicht als Sparringspartner für Unternehmer, Investoren und Entscheidungsträger.