Future Skills Development (3/4) – Industrieübergreifende moderne Kollaborations- und Führungskompetenz

Future Skills Development (3/4) – Industrieübergreifende moderne Kollaborations- und Führungskompetenz

In diesem Beitrag stehen die industrieübergreifenden modernen Kollaborations- und Führungskompetenzen für die Zukunftsfähigkeit von Verwaltungsräten, Geschäftsleitungsmitgliedern und Fachspezialisten vor dem Hintergrund der steigenden Anforderungen durch die digitale Transformation und die künstliche Intelligenz im Fokus.

 

Blogartikel von Prof. Dr. Bernhard Koye & Lara Düding

Zukunftsfähigkeit durch moderne Kollaborations- und Führungskompetenz

 

1. Zusammenarbeit als eine von drei Dimensionen persönlicher Zukunftsfähigkeit

Die DNA der Wertschöpfung verändert sich industrieübergreifend unaufhaltsam. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Einflussfaktoren für Zukunftsfähigkeit.  Entscheidend für effektiven Erfolg ist nicht nur, was Organisationen vorhaben, sondern wie gut Menschen miteinander arbeiten. Viele Organisationen verfügen über gut ausformulierte Strategien und Fachkompetenz und auch über solide Marktpositionierungen oder hervorragende Zukunftsideen. Dennoch bleiben die effektiven Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück – sei es im Kerngeschäft oder bei der Realisation von Veränderungen.

Für Aufsichtsräte, Geschäftsleitungsmitglieder und Spezialisten stellt sich gleichermassen die Frage, welche Kompetenzen für erfolgreiche und dynamische Zusammenarbeit erforderlich sind. Das Swiss Future Viability Institute (SFVI) erforscht die industrieübergreifenden Leitplanken für die Zukunftsfähigkeit von Fach- und Führungskräften. Im Rahmen unserer aktuellen Blogserie beleuchten wir die sich verändernden Kompetenz- und Kollaborationsanforderungen.  Die Herausforderungen stellen sich auf drei Ebenen:

  • Es gilt zum einen, den betriebswirtschaftlichen Werkzeugkasten auf die zukünftigen Herausforderungen auszurichten (Fachkompetenz).
  • Darüber hinaus steigen die Anforderungen an die persönliche Resilienz und Selbstführung in den neu entstehenden Arbeitsformen (Persönlichkeitskompetenz).
  • Schliesslich verändern sich die Anforderungen an das Kollaborations- und Führungsverständnis und -verhalten nachhaltig (Zusammenarbeitskompetenz).

 

Dieser Blogbeitrag fokussiert sich auf die Kompetenzen für erfolgreiche Zusammenarbeit.

 

2. Zukunftsfähigkeit durch Zusammenarbeit

Die Ursachen für ausbleibenden Erfolg oder die Erosion von Markpositionen liegen selten in fehlendem Wissen. Häufig sind es unklare Rollen, unausgesprochene Konflikte oder mangelnde oder verzögerte Abstimmung, die die Nutzung von Potenzialen hemmen und Fortschritt verhindern. Wenn Entscheidungen verzögert werden oder Verantwortlichkeiten unklar bleiben, liegt die Ursache häufig nicht in der Strategie, sondern in der Art der Zusammenarbeit und Führung im System.

Erfolgreichen Hochleistungsteams gelingt es, Klarheit, Vertrauen und kollaborative Analyse-& Entscheidungskompetenz als Team so zu kombinieren, dass unter Unsicherheit a) die richtigen Entscheidungen unter richtiger Gewichtung der verfügbaren Fakten getroffen werden und b) das Zahnrad der Organisation sowohl in Bezug auf Standard- als auch auf Veränderungsprozesse agil und dynamisch funktioniert.

 

3. Fünf Kompetenzfelder für wirksame Zusammenarbeit und Führung

Fünf Kompetenzfelder sind dabei besonders relevant im Bereich Kollaboration und Führung, um wirklich wirksam zu steuern und zusammenzuarbeiten:

 

1. Vertrauen und Beziehungsfähigkeit – Schaffe ich ein Umfeld, in dem effektive Zusammenarbeit möglich ist?

Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit, Offenheit und einen konstruktiven Umgang miteinander.
Strukturen allein bewirken keine effektive Zusammenarbeit. Diese Faktoren bilden die Grundlage für ehrlichen Austausch und schlagkräftige gemeinsame Lösungsentwicklung. Ohne vertrauensvolle Beziehungspflege bleibt Abstimmung oberflächlich und – auch aufgrund der oftmals impliziten politischen Prozesse – ineffektiv.

 

2. Rollen und Verantwortungsverständnis – Ist klar, wer wofür verantwortlich ist?

Klarheit über Rollen und Verantwortlichkeiten schafft Handlungsfähigkeit.
Unklare Zuständigkeiten sind eine der häufigsten Ursachen für Ineffizienz. Aufgaben werden doppelt bearbeitet oder bleiben liegen. Nur wenn es eindeutig ist, wer wofür verantwortlich ist, können Teams effektiv arbeiten. Oftmals ist dies in der Wahrnehmung verschiedener Verantwortungsträger der eigenen Positionierung nicht zuträglich – und hier liegt ein entscheidender Hebel für Zukunftsfähigkeit von Führungsgremien auf dem Weg zu wirklich agilen Organisationen. Zukunftsorientierte Führung bedeutet Förderung von effektiver Agilität

 

3. Konflikt und Entscheidungsfähigkeit – Gehe ich Meinungsverschiedenheiten proaktiv an?

Wirksame Zusammenarbeit bedeutet, Meinungsveschiedenheiten faktenbasiert & lösungsorientiert als Basis für noch bessere Entscheidungen zu nützen.
Unterschiedliche Perspektiven sind notwendig, führen aber zwangsläufig zu Spannungen. Viele Teams vermeiden Konflikte und verlieren dadurch an Qualität in Entscheidungen. Konfliktfähigkeit ist kein Risiko, sondern eine Voraussetzung für Fortschritt. Erst wenn die verschiedenen Sichtweisen faktenbasiert in Szenarien eingeflossen sind, können Richtungsentscheide gemeinsam getroffen werden.

 

4. Führung und Steuerung von Zusammenarbeit – Trage ich aktiv zur Wirksamkeit des Teams bei? Moderiere ich als Führungskraft im Sinne der systemischen Entwicklung?

Teams werden nicht durch Struktur wirksam, sondern durch bewusste und lösungsorientiert-verzahnende Steuerung.
Führung zeigt sich in der aktiven Gestaltung von Zusammenarbeit. Dazu gehören die Ausrichtung auf gemeinsame Ziele, die Fähigkeit und den Willen zur rollenbasierten Moderation der oben dargelegten Dynamiken im Sinne der Eruierung, Gewichtung und Verzahnung von Fakten und Sichtweisen und die Sicherstellung der Umsetzung der gewählten Szenarien.

 

5. Klarheit in Kommunikation – Ist für andere klar, was gemeint ist und was erwartet wird?

Wirksame Kommunikation schafft Orientierung und reduziert Komplexität.
Zusammenarbeit beginnt mit effektiver Verständigung, die Vertrauen fördert und die Effektivität von Entscheidungsprozessen fördert. Unklare Aussagen, implizite Erwartungen oder fehlende Rückkopplung führen zu Missverständnissen und Reibungsverlusten. Entscheidend ist die Fähigkeit, Inhalte präzise zu formulieren und gleichzeitig aktiv zuzuhören und das Verstandene rückzuspiegeln, bevor die nächsten Schritte ausgelöst werden.

 

4. Gezielte Steigerung der Effektivität der Zusammenarbeit

Die obigen Kompetenzfelder bestimmen, wieviel Energie von Teams und Organisationen effektiv zu Ergebnissen führt und wieviel bedingt produktiv in Abstimmungsaufwand investiert wird. Zusammenfassend können 4 Leitplanken für wirksame Führung & Kollaboration formuliert werden.

1. Ziele, Rollen und Erwartungen transparent machen
Zusammenarbeit wird wirksam, wenn Klarheit besteht. Basis hierfür ist ein gemeinsames Verständnis über Ziele, Rollen und Verantwortlichkeiten und auch persönliche Erwartungen.

2. Führung lösungsorientiert & vertrauensbasiert ausgestalten

Die Rolle der Führung ist dabei moderierend entlang der Verantwortlichkeiten – effektive Führung & Resultatsverantwortung bedeutet, die Leistungsprozesse in der Organisation lösungsorientiert zu moderieren und bei Schwierigkeiten den Weg frei zu machen – diese aber auch zu benennen und bearbeitbar zu machen. So entsteht auch Vertrauen in die Führungskraft als Coach und die Motivation zu hocheffektiver Zusammenarbeit.

3. Zusammenarbeit im realen Arbeitskontext entwickeln
Effektivität von Kollaboration entsteht nicht durch abstrakte Modelle oder Teambuilding-Tage (diese können eine Basis legen), sondern durch Erfahrungen & gemeinsames Reflektieren in konkreten Arbeitssituationen. Entwicklung muss dort ansetzen, wo Zusammenarbeit tatsächlich stattfindet.

4. Reflexion systematisch verankern
Teams werden effektiver, wenn sie ihr eigenes Verhalten hinterfragen. Die bewusste Reflexion von Zusammenarbeit und Entscheidungsprozessen ist entscheidend für nachhaltige Wirksamkeit. Kulturarbeit ist dabei ein Muss, dass nicht nur an ‚Offsides‘ passieren sollte, sondern in der stetigen Reflexion in kurzen Zeitfenstern im Arbeitsalltag. Wenn dies gelingt, werden Teams wirklich dynamisch und engagiert.

 

5. Fazit

Zukunftsfähigkeit von Organisationen entsteht auch im KI-Zeitalter nicht nur durch gute Strategien oder Technologienutzung, sondern fusst primär auf der Qualität der Zusammenarbeit und Führung. Fachliche und persönliche Kompetenzen bleiben notwendige Voraussetzungen – aber erst im Zusammenspiel im organisationalen Kontext entsteht die notwendige Dynamik und Wirkung. Organisationen, die Zusammenarbeit, Steuerung und moderative Führung systematisch entwickeln, schaffen die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit und erfolgreiche Transformation.

 


Prof. Dr. Bernhard Koye
Academic Director am SFVI.
Pionier in der Erforschung der Auswirkungen der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle, Organisationen und Menschen in der Finanzbranche mit Fokus auf den Praxistransfer.
Langjährige internationale Erfolgsausweis als Executive, Forscher und Coach in Strategie-, Transformations- und Innovationsthemen sowie in der Begleitung von Top-Management-Teams und als Executive Developer.
Verbindet wissenschaftliche Tiefe mit unternehmerischer Umsetzungskompetenz als anwendungsorientierter Forscher, Coach und Sparringspartner für Entscheidungsträger.

Lara Düding
Research Specialist am SFVI mit Fokus auf strategische Trend- und Erfolgsfaktoren für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen.
Erfahrung im UX-Research sowie im Marketing mit Fokus auf das Verständnis von Nutzerverhalten und wirkungsrelevanten Entscheidungslogiken.
Spezialisiert auf die empirische Analyse von Kunden- und Entscheidungsprozessen mit wirtschaftspsychologischer Perspektive.