In diesem Beitrag stehen industrieübergreifend die Persönlichkeitskompetenzen für die Zukunftsfähigkeit von Verwaltungsräten, Geschäftsleitungsmitgliedern und Fachspezialisten vor dem Hintergrund der steigenden Anforderungen durch die digitale Transformation und die künstliche Intelligenz im Fokus.
Blogartikel von Prof. Dr. Bernhard Koye & Lara Düding
Zukunftsfähigkeit durch Persönlichkeitskompetenz
1. Persönlichkeitskompetenz als eine von drei Dimensionen persönlicher Zukunftsfähigkeit
Die DNA der Wertschöpfung von Organisationen verändert sich unaufhaltsam. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Einflussfaktoren für Zukunftsfähigkeit. Die Herausforderungen stellen sich auf drei Ebenen:
- Es gilt zum einen, den betriebswirtschaftlichen Werkzeugkasten auf die zukünftigen Herausforderungen auszurichten (Fachkompetenz).
- Darüber hinaus steigen die Anforderungen an die persönliche Resilienz und Selbstführung in den neu entstehenden Arbeitsformen (Persönlichkeitskompetenz).
- Schliesslich verändern sich die Anforderungen an das Kollaborations- und Führungsverständnis und -verhalten nachhaltig (Zusammenarbeitskompetenz).
Persönliche Selbststeuerung wird dabei vor dem Hintergrund des immer schnelllebigeren wirtschaftlichen Umfelds mit multiplen Kommunikationskanälen und zunehmender Echtzeit-Kollaboration auf den verschiedenen Kanälen und insbesondere mit der zunehmenden Bedeutung von KI zu einem entscheidenden Faktor. Die Entwicklung dieser persönlichen Kompetenzen wird zum zentralen Hebel für persönliche Zukunftsfähigkeit und auch für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen.
Für Aufsichtsräte, Geschäftsleitungsmitglieder und Spezialisten stellt sich gleichermassen die Frage, welche persönlichen Kompetenzen erforderlich sind. Das Swiss Future Viability Institute (SFVI) erforscht industrieübergreifend die Leitplanken für die Zukunftsfähigkeit von Fach- und Führungskräften. Im Rahmen unserer aktuellen Blogserie beleuchten wir die sich verändernden Kompetenz- und Kollaborationsanforderungen. Dieser Blogbeitrag fokussiert sich auf die persönlichen Kompetenzen.
2. Leitplanken für optimale Selbststeuerung
Für die optimale Selbststeuerung sind fünf Kompetenzfelder zentral als Grundlage für persönliche Zukunftsfähigkeit. Sie sind eng mit der Zukunftsfähigkeit von Organisationen verknüpft.
- Selbstführung – Sich selbst steuern, bevor man andere steuert - Wie gut steuere ich mein eigenes Verhalten im Alltag?
Die Fähigkeit zur sachlichen Selbststeuerung (Fokussierung & Priorisierung und Eigenverantwortung) bestimmen, ob Aufgaben konsequent umgesetzt werden können. Wer sich selbst nicht steuern kann, bleibt auch mit hoher Fachkompetenz unter seinen Möglichkeiten und kann die Anforderungen an seine Rolle nicht optimal erfüllen. Zudem ist die emotionale Selbststeuerung gleichgewichtet zu entwickeln, da ansonsten die mittelfristige Leistungsfähigkeit auch abnimmt.
- Reflexions- und Lernfähigkeit – Sich selbst verstehen und weiterentwickeln - Lerne ich schneller als sich mein Umfeld verändert?
Persönliche Weiterentwicklung erfordert die Fähigkeit zur Analyse der sich verändernden Anforderungen sowie zum permanenten Lernen. Zudem ist die Bereitschaft, Feedback im Sinne von Weiterentwicklungspotenzial auch aus dem Umfeld anzunehmen, wesentlich. Es gilt, aus Erfahrungen, Rückmeldungen & Beobachtungen relevante Anpassungen für mehr Wirkung durch das eigene Handeln abzuleiten. Wer langsamer lernt als sich das Umfeld verändert, verliert an Wirksamkeit und damit an Relevanz. Dabei gilt es auch, Persönlichkeitsarbeit als wertvollen Teil der eigenen beruflichen Leistungsfähigkeit anzuerkennen und einfliessen zu lassen.
- Persönliche Stabilität und Resilienz – Leistungsfähig bleiben unter Druck – Wie stabil bleibe ich, wenn es anspruchsvoll wird?
Leistungsfähigkeit zeigt sich unter Druck. Der Umgang mit Unsicherheit, Dynamik und Belastung entscheidet darüber, ob Klarheit und Handlungsfähigkeit auch in anspruchsvollen Situationen erhalten bleiben. Gerade im Kontext von Transformation und technologischen Veränderungen wird diese persönliche Stabilität zur Voraussetzung für wirksames Handeln.
- Denk- und Strukturierungsfähigkeit – Komplexität in Klarheit überführen - Kann ich Komplexität greifbar und entscheidbar machen?
Komplexität muss in Entscheidbarkeit überführt werden. Die Fähigkeit, Fakten zielgerichtet zu eruieren, Probleme logisch zu analysieren, relevante Informationen zu verknüpfen und klare Entscheidungsszenarien abzuleiten, ist zentral für die Qualität & Effektivität von Steuerung und Führung. Good news: Logik ist trainierbar und ausbaubar und gegenüber den stabilen Zeiten vor Beginn des digitalen Zeitalters ein noch viel stärker gewichteter persönlicher Erfolgsfaktor. Die folgenden Aspekte sind dabei wesentlich
– Logik-Kompetenz: verzahnend vom Problem zur Wichtigkeit zum Ziel zum Weg ins Ziel
– Strategisches Denken: weitblickend von der Trenderuierung über die Trendanaylse zum Prototyping zur konkreten Lösung
– Problemlösungs-Kompetenz: systemisch von der Fakteneruierung über Gewichtung zur Ableitung von Leitplanken und Lösungsszenarien
- Wirkungsfähigkeit – Wirksam werden im Kontakt mit anderen – Wie wirksam bin ich in der täglichen Kollaboration?
Ergebnisse entstehen im Kontakt mit anderen. Klarheit im Ausdruck, Präsenz und ein rollenbasiertes und kollaborativ-lösungsorientiertes Verhalten bestimmen, ob Inhalte im Team verstanden & gemeinsam bearbeitbar werden und ob so wertvolle Lösungen entstehen. Die folgenden Aspekte sind dabei wesentlich
– Empathie und emotionale Intelligenz
– Beziehungspflege und Partnerschaft
– Kreativität & Innovationsinteresse
– Storytelling und klare Kommunikation
– Kontext-Gefühl und -Urteilsfähigkeit
3. Leitplanken für den Auf- & Ausbau zukunftsfähiger persönlicher Wirkungskompetenz
Die Vorstellung, dass man mit punktuellen Massnahmen beruflich und organisational erfolgreich bleiben wird, wird vor dem Hintergrund der exponentiell steigenden Entwicklungsgeschwindigkeit und den wahrnehmbar zunehmenden Bruchstellen in der Wirkung von klassischen Instrumentarien zunehmend bedrohlich. Leitplanken für den Aufbau zukunftsfähiger persönlicher Wirkungskompetenzen sind:
1. Reflektive Analyse und Weiterentwicklung
Die Weiterentwicklung persönlicher Skills beginnt mit einer strukturierten Analyse, die als Chance betrachtet wird. Durch einen coachingorientierten Blick auf die eigene Entwicklung wird der Aufbau der persönlichen Zukunftskompetenz zu einem motivierenden Prozess. Niemand wurde perfekt geboren, aber es ist die Haltung, die hier entscheidet.
2. Systematische Verankerung von Reflexion, Feedback und kontinuierlicher Weiterentwicklung
Partnerschaftliche Kollaboration statt Konkurrenz – wie in erfolgreichen Spitzenmannschaften entscheidet die wahrgenommene Leistung im digitalen Zeitalter immer mehr über den Erfolg. Persönliche Zukunftsfähigkeit ist dauerhaften Entwicklungsprozess. Regelmäßige Reflexion und Feedback durch das Umfeld entlang der obigen Kompetenzen sind wertvoll, um die Ansatzpunkte für die Steigerung der eigenen Wirksamkeit zu erkennen und so auch im konkreten Umfeld als wirkungsorientiert wahrgenommen zu werden.
3. Weiterentwicklung entlang konkreter beruflicher Anforderungen und Entscheidungssituationen
Training ist der erste Schritt bei der Weiterentwicklung persönlicher Wirkungskompetenz. Die Verankerung und Wirkungskonversion gelingen darüber hinaus dann im Kontext der realen Herausforderungen. Die Anwendung der trainierten Instrumentarien direkt in der eigenen Rolle und den konkreten Entscheidungssituationen in Verbindung mit lösungsorientiertem und reflektiertem Coaching öffnet den Weg zu persönlichen Spitzenleistungen.
4. Fazit
Die Weiterentwicklung persönlicher Zukunftsfähigkeit trägt wesentlich zur persönlichen beruflichen Wirkung bei. Die Offenheit für und die Fähigkeit zur Effektivitätssteigerung der persönlichen Selbststeuerung ermöglicht die Überführung persönlicher Potenziale in wahrnehmbare Ergebnisse. Systemische und systematische Erfahrungsauswertung in Interaktion mit dem eigenen Umfeld und Offenheit für Coaching steigern die Wahrscheinlichkeit von Erfolgen – wie im Spitzensport. Organisationen, die die Entwicklung der persönlichen Skills Ihrer Fach- und Führungskräfte so ermöglichen, steigern die Leistungsfähigkeit und die Wirkung der Individuen und so letztendlich auch die organisationale Wertschöpfung.
Prof. Dr. Bernhard Koye
Academic Director am SFVI. Pionier in der Erforschung der Auswirkungen der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle, Organisationen und Menschen mit Fokus auf den Praxistransfer.
Langjährige internationale Erfolgsausweis als Executive, Forscher und Coach in Strategie-, Transformations- und Innovationsthemen sowie in der Begleitung von Top-Management-Teams und als Executive Developer.
Verbindet wissenschaftliche Tiefe mit unternehmerischer Umsetzungskompetenz als anwendungsorientierter Forscher, Coach und Sparringspartner für Entscheidungsträger.
Lara Düding
Research Specialist am SFVI mit Fokus auf strategische Trend- und Erfolgsfaktoren für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen.
Erfahrung im UX-Research sowie im Marketing mit Fokus auf das Verständnis von Nutzerverhalten und wirkungsrelevanten Entscheidungslogiken.
Spezialisiert auf die empirische Analyse von Kunden- und Entscheidungsprozessen mit wirtschaftspsychologischer Perspektive.